Warum sind die "großen 1:1" Flieger alle so kurz ?

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Wabo
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Warum sind die "großen 1:1" Flieger alle so kurz ?

Beitrag von Wabo » Mo 23. Okt 2006, 13:23

Bei den Modellkonstrukteuren hat sich ein Merkmal von gutmütigen und einfach zu fliegenden Flugzeugen durchgesetzt.

Modellflugzeuge werden umso gutmütiger je näher sie der einfachen Formel Spannweite=Gesamtlänge Flugzeug näher kommen.
Leicht zu beherrschendes gutmütiges Abreißverhalten und ideal für genaues Manovrieren.

Nun meine vielleicht naive Frage.
Warum verwendet man diese einfache Sache nicht bei großen Fliegern?
busbumde
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Beitrag von busbumde » Mo 23. Okt 2006, 13:50

Die OUV schlägt Selbstbauern etwa durch Stützle vor, die hintere Rumpftüte etwa so lang wie die halbe Spannweite zu machen. Und in der Tat hatten die Flieger früher längere Schwanzkonen.

Heute hält man sich bei der ersten Auslagung an den Höhenleitwerksvolumenkoeffizienten, bei dem man die Fläche des Leitwerks und seinen Ort mit der Fläche vom Flügel und dessen Bezugsflügeltiefe in eine einfache Beziehung setzt. Das ersetzt die Modellbauerregel, für das Leitwerk 20% Fläche und mindestens 3 mal die Flügeltiefe als Abstand von dessen Hinterkante zu nehmen. Zudem sind lange Schwänze schwer, sollen sie fest sein, und man muß dann die heutigen leichten Motore als Ausgleich weiter nach vorne bauen, will man die Piloten schwerpunktnah - was günstig ist - plazieren.

Das gilt zumindest für klassisch ausgelegte Dreiachser - als erster Ansatz - und Fragen der Steuerbarkeit einmal ausgeklammert.

Wenn Du in die Rohr-Tuch-Szene der Anfänge bis heute schast, wirst Du jedoch Verhältnisse vorfinden - zum Teil -, die "sich ein Modellbauer nicht trauen würde", weil da ja viel Arbeit kaputtgehen könnte beim Crash :grin:

Dieter
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Wabo
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Beitrag von Wabo » Mo 23. Okt 2006, 13:58

Abgesehen von bautechnischen Gründen wüßte ich aber schon gerne ob lange Leitwerksarme auch im Maßstab 1:1 einen positiven Effekt auf die Flugeigenschaften haben und wenn nicht...warum.
Der Schwerpunkt ist jedenfalls kein Argument, man kann einen Rumpf ja auch nach vorne verlängern und die Bauweise extrem leicht gestalten.
busbumde
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Beitrag von busbumde » Mo 23. Okt 2006, 14:15

Auf die statische Längsstabilität wirken sich lange Leitwerksträger sicher positiv aus, doch der Trend geht nun mal bei den kleinen Privatflugzeugen konventioneller Auslegung weg vom langen Leitwerkshebelarm mit einem Leitwerk kleiner Streckung und hin zu einem gemäßigten Hebelarm mit Leitwerk größerer Streckung, das sensibler reagiert. Trotzdem gibt da eine ungeheure Variationsbreite, weil alle Kompromisse bestimmte Vorteile betonen wollen. Ein Pylonracer muß anders augelegt sein als ein Jedermannflugzeug.

Nur eines geht nicht: Das Freiflugmodell in groß bauen, denn dann wird Dir schlecht drin bei den Schiebe-Roll-Bewegungen, die das Ding für seine Eigenstabilität mit sich bringt. Zudem ließe es sich nur schlecht steuern.

Aber laß Dir das lieber von einem der Studierten hier erklären, denn es würde mich überfordern, jetzt hier fehlerfrei zu erklären, warum eine Vergößerung des Modell auch eine Vergrößerung der beschleunigten Luft im Kubik des Maßstabs mit sich bringt, womit die Dämpfung des Großen sich im Vergleich zum Modell relativ verbessert usw und so fort.

Dieter
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